· 

Ich bin Hausfrau...

...nicht, dass es ein Geheimnis wäre, aber you know, man fällt ja nicht mit der Tür ins Haus. Es ist ja auch so: Zu sagen, dass man eine Hausfrau ist, kommt etwa der Aussage gleich, man sei ein fünfbeiniges Zebra, mit pinken Ohren, Punkten statt Streifen, in den Alpen heimisch und fresse am liebsten Regenwürmer. Jedenfalls kommt es mir so vor. Mein Gegenüber starrt mich dann gefühlte 30 Sekunden an und überlegt....überlegt....ÜBERLEGT, was es mir tröstendes entgegnen könnte. Da fallen Sätze wie:

  • ah..so... (jep..)
  • ..naja, du hast ja auch drei Kinder. Ich weiss nicht, wie ich das schaffen würde. (du hast selbst drei...)
  • ...N1 ist ja auch erst vier. (einhalb...)
  • ..hast recht! Geniesse es, es geht so schnell vorbei. (fühlt sich manchmal an wie EWIG)
  • .......schweigen..... (ich weiss..)

In jedem Gespräch, mit jedermann /-frau stellt sich früher oder später (eher früher als später) die Frage "Und, wieviel arbeitest du?". Unter mir tut sich dann meist ein riesiges Loch auf, welches das fünfbeinige Zebra mit pinken Ohren und Punkten statt Streifen in der ewigen Verdammnis verschwinden lassen will. Jedesmal würde ich am liebsten giftig TAG UND NACHT entgegnen. Aber come on girls, die Ladies, welche auch noch ihrem Beruf nachgehen arbeiten TAG UND NACHT und JOB. Also: I'm out. Ein nichts. Oder besser, ich friste ein antifeministisches, unemanzipiertes Dasein. Ja. Genau dafür haben all die Frauen damals gekämpft. Damit ich nicht die Welt verbessere und meinen Liebsten sonntags frage ob er für die nächste Woche einen Essenswunsch hat. 

 

Laut dem BFS (Stand 2016) sind 86% der schweizer Mütter und 68,6% der ausländischen Mütter erwerbstätig. 

 

Gemessen der Tatsache wie schwierig die Betreuung zu organisieren ist, sind das ne Menge Familien, welche grosses Leisten. Applaus an alle, welche das geregelt kriegen. Wir schaffen das nicht. Nicht, dass wir es nicht versuchen, nein. Aber immer kommt irgendetwas dazwischen: Ein Nachdiplomstudium, ein Kind, ein Umbau, organisatorische Schwierigkeiten, zu hohe Betreuungskosten, die Schule. Es wird abgewägt, ausgelotet immer wieder besprochen. Leute, es ist nicht so einfach, wieso starrt ihr mich so an? Jetzt habe ich es immerhin schwarz auf weiss: Weil ich zu den 14% gehöre, welche die gleiche Frauenrolle einnehmen wie vor 40 Jahren. Fast. 

 

Du findest es also übertrieben, dass ich mein Brot selber backe?

 

Und schon bin ich Bree van de Kamp. Und ich denke: SHUT UP, PISSER! Eigentlich ist es so: Würde ich 150% in meinem Beruf geben, aufsteigen und Karriere machen, wäre ich mega taff. Gebe ich zu Hause mein Bestes, bin ich altmodisch, frustriert, vielleicht auch unterdrückt. Ich sage euch mal ehrlich, ich bin keine Frau der halben Sachen. 20% Arztsekretärin? Wotsch mi lebändig begrabe? Ich will es reissen Leute. Was ich mache, will ich möglichst richtig machen und auch Verantwortung haben. Mit einem Bein Handlangerin und Kaffe kochen: Nope. Dann ist eine Pause ehrlicher. 

 

Ich selber definiere meine Rolle. 

 

Hier kann ichs reissen. Es dauerte seine Zeit bis ich merkte, dass ich meine Rolle selber definiere. Es steht und fällt mit der Motivation und dem Rollenbild: Mein Bild sagt mir: Sei die beste Version deiner selbst. Ich backe gerne selber Brot, mache oft ein warmes Frühstück, koche mittags und abends und bewirte gerne Freunde und Familie. Nein, mir ist wirklich nie langweilig. Und NEIN, ich möchte den berufstätigen Frauen damit nicht sagen, dass ich es besser mache. Mama macht einfach das Beste daraus. Also dreht nicht gleich durch, weil die Antipasti selbst gemacht sind, denn im Keller ist ein Puff..

Ich führe ein KMU. Hey, ich bin sozusagen ein CEO - 100% versteht sich. Ok, ohne Bonus, aber Ladies: Seems to be part of the game. Es ist halt wie bei jeder anderen Arbeit auch, man hat so seine ups und downs. Aber nichts desto trotz: Ich bin Herrin über das Budget, ich koordiniere die Termine, bin 1. Ansprechperson wenn es um geschäftsspezifische Entscheidungen geht und ich bin noch ein Patron der alten Sorte, denn ich kenne jede meiner Abteilungen in- und auswendig. Alle Fäden laufen bei mir zusammen (ok, die ICloud ist auch bitz Knotenpunkt).

 

WÄR ISCH DA UNEMANZIPIERTI NID FEMINISTIN?

 

Ig nid, denn ich bin Hausfrau. Eine mit Krisen, ja. Aber ich bin sehr glücklich mit meinem Leben, meiner Gang. Sie zu versorgen, da zu sein wenns brennt -  die Familie zu managen, das ist in unserem Fall ziemlich viel Arbeit. 

Ich entscheide mindestens äbeso mit wie mein Partner oder der Rest der Familie. In einer Familie muss man immer einen gemeinsamen Weg finden, nicht einem gesellschaftlichen Idealbild entsprechen. 

Und wenn mich das nächste mal jemand fragt was und wieviel ich arbeite: Ich bin der Boss! Der Boss arbeitet immer. So. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0